Therapeutisches Reiten

Die wohltuende und heilende Wirkung von Pferden

Die junge, sportliche Laura liebt Pferde über alles. Schon im Alter von zehn Jahren träumte sie davon ein eigenes Pferd zu besitzen und investierte ihr gesamtes Taschengeld in wöchentliche Reitstunden.  Mit 16 Jahren erhielt sie eine Reitbeteiligung. Von nun an ging nichts über ihre Freundschaft mit der Stute „Marla“. Fast täglich kümmerte sie sich um das schöne Pferd und der Stall wurde ihr zur zweiten Heimat.

Diagnose: Multiple Sklerose

Mit 20 Jahren absolvierte Laura ihre Berufsausbildung zur Pharmazeutisch-technischen Assistentin, erhielt endlich ein gutes Gehalt und ihr Traum vom eigenen Pferd rückte näher. Völlig unerwartet jedoch bemerkte Laura Veränderungen an ihrem Körper, die sie sich nicht zu erklären wusste und die ihr zunehmend Sorgen bereiteten. Arme und Beine fühlten sich manchmal taub an, gelegentlich spürte sie darin ein Kribbeln. Zudem schien ihr Sehvermögen gestört zu sein. Sie sah verschwommen oder unscharf und empfand eine starke Lichtempfindlichkeit. Nach einer Woche unterzog sie sich einer ausführlichen, ärztlichen Untersuchung. Diagnose: Multiple Sklerose.

Multiple Sklerose, kurz MS, ist eine entzündliche Erkrankung des Nervensystems. Das Gehirn sendet über Nervenfasern im Rückenmark Signale zum Körper. Im Rückenmark entstehen Entzündungsherde. Diese treten in Schüben auf und verursachen bei Laura unter anderem Muskelsteifheit, Koordinations- und Gleichgewichtsstörungen sowie Kraftlosigkeit. Laura lebt mittlerweile seit drei Jahren mit der Diagnose Multiple Sklerose und den auftretenden Beschwerden. Ihren Traum vom eigenen Pferd musste sie begraben, nicht aber ihre Liebe zum Reiten.

Reiten tut Laura gut

Eine Bekannte aus dem Reitstall machte Laura und ihre Familie auf das Therapeutische Reiten, die Hippotherapie,  aufmerksam. Der Begriff der Hippotherapie leitet sich von den griechischen Wörtern „Pferd“ (hippos) und „Behandlung“ (therapeia) ab. Hippotherapie ist Physiotherapie mit Hilfe des Pferdes und stellt eine wertvolle Ergänzung neurophysiologischer krankengymnastischer Behandlungen dar: Im Prinzip wird die wohltuende und heilende Wirkung von Pferden auf Menschen genutzt. Therapeutisches Reiten untergliedert sich in verschiedene Fachbereiche. Heilpädagogische Förderung mit dem Pferd, ergotherapeutische Behandlung mit dem Pferd und Reiten als Sport für Menschen mit Behinderung.

Für Laura bietet die Hippotherapie eine Methode, ihren Körper zu schulen, zu trainieren und weiterhin ihrer liebsten Freizeitbeschäftigung nachzugehen. Sie sitzt dabei ohne Sattel auf dem geschulten Pferd und kann sich über einen angebrachten Gurt stabilisieren und festhalten. Das Pferd bewegt sich im Schritt und wird dabei von einer Fachkraft geführt.  Wenn nötig wird Laura durch eine weitere Person begleitet.

Die Schwingungen des Pferdes gehen auf Laura über und haben eine positive Auswirkung auf ihr Gleichgewichtsgefühl, Koordination und die Rumpfkontrolle. Die Kräftigung der Muskulatur erfolgt fast unbemerkt, denn es dominiert das schöne Gefühl des Getragenwerdens. Mit Hilfe der regelmäßigen Hippotherapie konnten bei Laura sowohl Spastiken als auch Störungen ihres Gleichgewichts verbessert werden.

Reiten nimmt positiven Einfluss auf die Motorik

Das Deutsche Kuratorium für Therapeutisches Reiten e.V. (DKThR) ist ein Fachverband mit der Aufgabe, das Therapeutische Reiten weiter zu entwickeln und zu verbreiten. In Studien hat sich gezeigt, Kranke, aber auch behinderte Menschen können vom Therapeutischen Reiten profitieren. Therapeutisches Reiten nimmt positiven Einfluss auf die Motorik des Patienten. Gerade Kinder erfahren eine beachtliche Steigerung der Lebensqualität und gewinnen Selbstvertrauen.

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