Slowenischer Stolz: Schneeweiße Lipizzaner

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Lipizzaner werden genetisch bedingt dunkel geboren und erst im Alter von vier bis sieben Jahren grau. Foto: Lipica Stud Farm

Königliche Zucht

Karl V. aus dem Hause Habsburg erwirbt im Jahr 1580 das Hofgestüt Lipizza im heutigen Slowenien. Die idyllische Karstlandschaft und das mediterrane Klima erscheint dem „König von Spanien“, „Erzherzog von Österreich“ und „Kaiser des Heiligen Römischen Reiches“ als bestens geeignet zur Zucht einer neuen, edlen Pferderasse. Ziel: Ein ausdauerndes und intelligentes Pferd für militärische Zwecke. Den Grundstamm dieser „Spanischen Karster“ bilden spanische Zuchthengste und -stuten sowie einige Araber.

Aufgrund der Umgebung und des Klimas entwickelt sich eine gesunde und langlebige Pferderasse, elegant und athletisch zugleich – der Lipizzaner. Dass diese edle Pferderasse einmal als barockes Reitpferd der im Jahr 1735 in Wien gegründeten Spanischen Reitschule berühmt würde, ist zu dieser Zeit weder dem Stallmeister noch dem Erzherzog bewusst.

Am österreichischen Kaiserhof, am „Schloss der Rosse“ in Wien, dienen ausschließlich die lernfähigen Lipizzaner Reitpferde der klassischen Reitschule der kaiserlichen Familie. Kaiserin Maria Theresia liegt die Lipizzaner Pferdezucht sehr am Herzen. Sie nutzt die stattlichen weißen Pferde nicht nur für die Hohe Schule sondern auch als Karussell-, Parade- und Kutschpferde.

Eine bewegte Geschichte

Das Gestüt Lipica erlebt während der Jahrhunderte eine bewegte Geschichte, geprägt durch Kriege, einhergehend mit Zerstörung, Flucht, Umsiedlung und dem Verlust von Tieren. Der Beginn des Ersten Weltkriegs zwingt die Lipizzaner zum wiederholten Mal zur Flucht. Die Rückkehr wird erst nach langwierigen Verhandlungen zwischen Italien und der neu gegründeten Tschechoslowakischen Republik möglich. Während des Zweiten Weltkriegs durchleben die Lipizzaner dramatische Ereignisse. Deutsche Truppen nehmen die Pferde in Beschlag. Ein großer Teil der Tiere „wandert“ später nach Monterotondo in Italien und nur wenige kehren in das Gestüt nach Lipica, das nach dem Krieg zum jugoslawischen Staatsgebiet gehört, zurück.


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Hier ist seit der Gründung des Gestüts die Heimat der Zuchthengste . Foto: Lipica Stud Farm

Tito und die Lipizzaner Pferde

Ein Glück für diese Pferderasse ist es nun, dass sich der jugoslawische Staatspräsident Tito für das Gestüt und die Zucht der langlebigen Lipizzaner einsetzt. Tito selbst besitzt einen Lipizzaner-Hengst, der das stolze Alter von 41 Jahren erreicht. Ab 1956 geht es in Lipizza wieder aufwärts. Die Hohe Reitschule und eine Dressur-Abteilung werden gegründet. Reiter nehmen für das Gestüt an internationalen Dressur-Turnieren teil. Die Öffentlichkeit interessiert sich zunehmend für das Leben und die Zucht der märchenhaften Pferde. Ein Hotel macht Besuchern längere Aufenthalte und Dressurprogramme im Gestüt möglich. Die Region wird zunehmend touristisch erschlossen.

Lipica in der Republik Slowenien

Schwierige Zeiten brechen 1991 mit dem Balkankonflikt an. Slowenien erklärt seine Unabhängigkeit und muss sich gegen den Einmarsch jugoslawischer Truppen zur Wehr setzen. Europa erkennt den Staat Slowenien mit demokratischer Verfassung an und das Gestüt wird zur öffentlichen Einrichtung im Besitz der Republik Slowenien erklärt.

Aufgrund der geschichtlichen Ereignisse werden Lipizzaner heute nicht mehr nur in Slowenien sondern auch in Österreich, Italien, Ungarn oder Kroatien gezüchtet. Selbst in Illinois, USA und in Johannesburg, Südafrika gibt es heute große Privatzüchter.

400 Jahre alte Pferderasse

Seit über 400 Jahren gibt es die Lipizzaner. Was in Lipica seinen Ursprung  hatte konnte über all die Jahre erhalten bleiben. Die weißen Schimmel verkörpern eine der ältesten Pferderassen der Welt mit unverwechselbarem Aussehen und hervorragenden Eigenschaften. Sie sind sensibel, lebhaft, menschenbezogen, treu, robust, lernfähig und mutig. Sie besitzen eine mentale Stärke, die sich im Umgang mit einem erfahrenen Ausbilder schnell bezahlt machen kann. Als klassische Dressurpferde wurden Lipizzaner weltberühmt. Auch als Kutschpferde waren die reinweißen Pferde beliebt. In Wien sieht man noch heute die repräsentativen Gespanne.


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Die atlethischen Pferde genießen auf der großzügigen Farm in Lipizza viel Freiheit. Foto: Lipica Stud Farm

Das Gestüt Lipica erkunden

Bestaunen kann man die Lipizzaner nach wie vor auf dem Gestüt Lipica, das in landschaftlich reizvoller Lage von Slowenien, nur 15 Kilometer von Trieste (Italien) entfernt liegt. Sehenswert ist auch das Lipizzanermuseum Lipikum zur Geschichte des Gestüts und der Pferde. Das Gestüt kann ganz romantisch mit einer Kutsche erkundet werden. Für Pferdefreunde lohnt sich ein Abstecher nach Lipizza auf dem Weg in Urlaubregionen wie Istrien oder Dalamatien (Kroatien).  Für Urlauber in der Region Venetien (Italien) lohnt sich ein Tagesausflug ebenfalls. Lipizza ist in einer ein- bis zweistündigen Autofahrt erreichbar.

Natürlich ist auch die Spanische Hofreitschule in Wien ein Besuch wert. Hier gibt es Führungen, Darbietungen der Pferde in der historischen Reithalle sowie Einblicke in die Trainingsarbeit der Pferde. Am  26. Juni 2015 feiert die Hofreitschule 450-jähriges Jubiläum mit einer großen Gala „Fete Impériale 2015“. Der schönste Sommerball Österreichs ist ein internationales Highlight, das Gäste aus aller Welt beeindruckt. Der Reinerlös des Balles kommt jenen wissenschaftlichen Arbeiten zugute, die notwendig sind, um den Erhalt und die Zucht der ältesten Kulturpferderasse Europas gewährleisten zu können.


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An der Spanischen Hofreitschule in Wien. Foto: Stefan Seelig

In Österreich können Pferdefreunde auch das Lipizzanergestüt Piber in der Steiermark, etwa 45 Kilometer von Graz entfernt, besuchen. Bei Gestütsbesichtigungen, Kutschenfahrten, Vorführungen, Turnieren oder sogar bei der Sommerfrische auf den Almen können die kaiserlichen Barockpferde erlebt werden. Das Gestüt ist  nicht nur für Pferdeliebhaber ein besonderes Ausflugsziel. Es liegt inmitten der sanften Hügellandschaft der Weststeiermark und kann ganzjährig besichtigt werden. (em)

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