Maikäfer – gehasst oder geliebt?

Wo sind die braunen Pelze geblieben?

Wir schreiben das Jahr 1976. Es dämmert. Die Straßenlaternen gehen an. Überall hört man lautes Brummen und Summen. Sie sammeln sich am Licht zu ganzen Schwärmen. Im Mai eines jeden Jahres ein bekanntes Bild. Kinder sammeln die braunen, leicht pelzigen und bis zu drei Zentimeter großen Brummer auf und bereiten ihnen ein hübsches Zuhause in mit Gras gefüllten Schuhkartons. Doch die Freude währt nicht lange, denn bald sterben die Käferchen an Altersschwäche. Maikäfer werden nur vier bis sechs Wochen alt.

Eines Tages sind sie verschwunden. Vergiftet.

Mitte des 20. Jahrhunderts beginnt man die Maikäfer zu bekämpfen, denn in der Land- und Forstwirtschaft richten sie erheblichen Schaden an. Verwendet wird das Gift DDT. Das krebserregende Mittel spritzt man viele Jahre auf unsere Pflanzen. Bei Greifvögeln ruft DDT starke Schäden hervor und führt fast zu deren Ausrottung. Abgesehen von diesen „Nebenwirkungen“ haben die Menschen ihr Ziel erreicht: Ende der 1980er Jahren gibt es kaum noch Maikäfer.

Maikäferlarven: Eine wahre Plage

Getreu ihrem Namen, graben sich die Käfer in den Monaten April und Mai aus dem Erdboden aus. Zuvor leben sie bis zu vier Jahre als Larven (Engerlinge) unter der Erde. Während ihrem Entwicklungszyklus können die Larven große Schäden anrichten. Sie fressen über Jahre hinweg die Wurzeln von Bäumen und Pflanzen. Dies führt zum Absterben der befallenen Pflanzen. Das große Fressen verhindert das Wachstum von Neukulturen, denn die hungrigen Larven machen auch vor jungen Bäumen keinen Halt.

Schon im Mittelalter wurden die braunen Brummer als Plagen beschimpft. Da zu dieser Zeit noch keine wirksame Schädlingsbekämpfung möglich war, hat man die Störenfriede sogar bis vor das Gericht gezogen – Wirklich! Mittelalterlichen Berichten zufolge, wurden sie in Frankreich angeklagt und aufgefordert die Stadt zu verlassen. Andernfalls sollten sie sterben …

Bekämpfung bis zur Beinahe-Ausrottung

Viele Jahre Später werden starke Giftstoffe gegen die Maikäfer eingesetzt. Sprühkanonen, Flugzeuge und Hubschrauber kommen zum Einsatz und sollen so Bäume, Weinreben und Obstplantagen schützen. Bald ist der Maikäfer vom Aussterben bedroht. Reinhard Mey singt in seinem Lied „Es gibt keine Maikäfer mehr“ über eine Zeit, in der Kinder die Käfer in Kartons gesammelt haben.

Seit einigen Jahren sind die gemütlichen Brummer wieder im Kommen. Doch auch heute noch werden sie unter Einsatz starker Insektizide – beispielsweise am Kaiserstuhl – bekämpft.

Das Leben eines erwachsenen Maikäfers ist ohnehin sehr kurz. Gerade einmal 4-6 Wochen schwirren sie durch die Wälder, Felder und Städte. Maikäfer ernähren sich von den Blättern der Laubbäume. In großen Gruppen können sie diese sogar kahl fressen. Aber auch sie selbst sind eine gerne gesehene Mahlzeit. Wildschweine, Vögel, Igel und andere Waldbewohner gehören zu ihren natürlichen Fressfeinden.

Maikäfer – mythische, abenteuerliche Insekten

Für die Forst- und Landwirtschaft sind die Käfer natürlich eine Qual. Gerade badische Weinbauer können ein Lied von der Gefräßigkeit der Käfer singen. In der Volksmedizin hingegen, sind sie von medizinischem Nutzen. Es werden Salben aus Maikäferlarven hergestellt, die nicht nur gegen rheumatische Beschwerden, sondern auch als nervenstärkendes Arzneimittel wirken sollen.

Im Volksglauben werden Maikäfer als Frühlingsboten betitelt. Wer von einem Maikäfer träumt, der solle sich gegen Ärger und Probleme wappnen. Wer hingegen in einem Traum den Käfer zu fangen bekommt, dem stehen gute Zeiten bevor.

Maikäfer in Deutschland eine Delikatesse?

Übrigens: Einst waren Maikäfer in Deutschland eine Delikatesse! Die große Zahl der Käfer machte die Köche in den 1950er Jahren erfinderisch: Maikäfersuppe! Für eine Portion verwendete man an die 30 Käferchen.

Wer von abenteuerlichen Maikäfergeschichten lesen möchte, dem bietet Wilhelm Busch in seinem weltbekannten Werk „Max und Moritz“ mit dem 5. Streich ein krabbeliges zu Bette gehen. In „Peterchens Mondfahrt“ machen zwei Kinder eine spannende Reise zum Mond. Dabei werden sie von Herrn Sumsemann begleitet. Maikäfer sind also keines Falls nur reine Schädlinge. Sie haben enormen Unterhaltungswert. (ms/em)

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