Igel – Kleine Stacheltiere in Not?

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Wenn Mecki hungert, friert und bibbert

Im Herbst erfüllt es uns mit Traurigkeit, wenn die Zahl der überfahrenen Igel auf der Straße immer wieder auffällt. Dass die stacheligen Tierchen dämmerungs- und nachtaktiv sind, wird ihnen dann oft zum Verhängnis. Das Überqueren einer Straße gelingt vielen Tieren nicht. Dieses Schicksal ereilt in Deutschland alljährlich mehr als 500 000 Igel. Dabei verwaisen im Spätsommer unzählige Igelbabys.

Der Mensch ist des Igels größte Gefahr. Durch seine Eingriffe in die Natur zerstört er den Tieren ihren natürlichen Lebensraum. Dass Wildtiere zunehmend in menschlichen Siedlungen neuen Lebensraum suchen, ist die logische Folge daraus. Es empfiehlt sich, den stacheligen Gesellen ein artgerechtes Umfeld in Form eines igelfreundlichen Gartens zu bieten.

Laufkäfer, Regenwürmer, Larven, Spinnen – köstlich!

Igel sind Insekten fressende Winterschläfer. Sie fressen kein Obst und kein Gemüse. Im Garten sind sie gern gesehen, denn sie befreien die Beete von allerlei Ungeziefer, manchmal sogar auch von gierigen Schnecken. Im Herbst bereiten sie sich auf die kalte und nahrungslose Jahreszeit vor. Sie fressen sich ein Fettpolster als, welches während des Winterschlafs als Energiespeicher dient.

Dem Igel über den Winter helfen – aber richtig!

Die Vorbereitungen für das Winternest sind aufwendig. Der Schutz vor Kälte und Nässe ist eine wichtige Voraussetzung, um den Winter zu überleben. Dazu benötigen die kleinen Stacheltiere Laub und allerlei Grünzeug wie Baumschnitt. Gerne suchen sie sich zum Nestbau geschützte Orte wie Hecken, Holzstapel, Garagen oder Schuppen. Wer das weiß, kann den stacheligen Genossen im Garten unterstützen: Das Laub im Gebüsch belassen, Teilbereiche gar nicht erst mähen, Drahtzäune entfernen, Trinkwasser anbieten und den Garten chemiefrei halten.

Wer möchte kann im Herbst eine Futterstelle einrichten und Katzenfeuchtfutter mit Haferflocken, sowie gegartes Rührei anbieten. Wichtig ist es, den Futterplatz stets sauber zu halten und vor Nässe zu schützen. Eine Kiste mit zwei großen Öffnungen ist dafür gut geeignet. Die Tiere sollten nicht mehr gefüttert werden, wenn die Temperaturen in Richtung Gefrierpunkt gehen. Sonst hält man die Tiere künstlich vom Winterschlaf ab.

Hier schnüffelt ein süßes, kleines Stacheltierchen über die Wiese, seht mal:

Wenn es kalt und eisig ist hilft nur noch – schlafen!

Während des Winterschlafs fahren Igel ihre Körperfunktionen massiv herunter. Der Herzschlag verringert sich auf nur noch acht Schläge pro Minute und die Körpertemperatur sinkt von 36 °C auf etwa 6 °C ab. Mit dem angefressenen Fettpolster und der damit gespeicherten Energie ist der Igel in der Lage bis zu sechs Monate ohne Futter auszukommen.

Igel in Not – oder doch nicht?

Ob ein Igel menschliche Hilfe braucht, ist nicht immer leicht einzuschätzen. Verletzte und kranke Tiere benötigen sachkundige Hilfe. Besonders im Spätsommer sollte man bedenken, dass sich in der Nähe hilflose Jungtiere befinden könnten. Tiere, die sich in Hindernissen verfangen haben oder in Gebäuden eingesperrt wurden, müssen natürlich sofort vorsichtig befreit werden. Kranke Tiere zeigen kein typisches Verhalten. Sie sind oft tagsüber unterwegs, schwanken, sind abgemagert und oft von Fliegen und Maden befallen. Mutterlose Igelbabys benötigen die Aufzucht durch Experten. Es ist immer ratsam, igelkundige Hilfe in Anspruch zu nehmen. (em)


Nicht jeder Igel braucht Hilfe – aber jede Hilfe muss richtig sein!
Guter Wille allein genügt nicht! Einsammeln und im Haus überwintern ist nicht immer die richtige Entscheidung. Naturnahe Gartengestaltung und abendliche Zufütterung in der nahrungsarmen Jahreszeit nutzt den Igeln oft schon – und greift am wenigsten in ihr Leben ein. (Pro Igel e.V.)

Pro Igel, Verein für integrierten Naturschutz Deutschland e.V.
… unterstützt Igelfinder mit Rat und Tat. Unter der Telefonnummer 01805 5555 9555 erhalten Ratsuchende tagsüber zwischen 10 und 18 Uhr Hilfe und Kontaktadressen zu Pflegern, zu Igelstationen oder Beratungsstellen in der Region. Umfassende Informationen finden Igelfreunde auf der Webseite des Vereins.


Igel-Fakten

  • Das können die Tiere gar nicht leiden: Rasenmäher, Laubsauger, Sensen oder Kantenschneider
  • Das bekommt ihnen gar nicht: Schneckenkorn, Kunstdünger, Unkraut- und Insektenvernichter, Giftköder, Mäuse- und Rattenfallen.
  • Das engt Igel tödlich ein: Maschendrahtzäune, Elektrische Zäune, Vogelnetze, Schnüre, Tüten, Plastikbehälter, Draht
  • Das bringt sie rund ums Haus in Gefahr: Gräben, Lichtschächte, Kellerfenster, Treppen, Gartenpools, Dosen
  • Diese Feinde können Igel umbringen: Eulenvögel, Dachse, jagdlustige Hunde

Tipp – Treppen überwinden die Stacheltiere durch „Zwischenstufen“, zum Beispiel in Form von Backsteinen.


UNGLAUBLICH!

  • Igelbabys kommen bereits mit rund 100 Stacheln auf die Welt
  • Ausgewachsene Tiere tragen etwa 8 000 Stacheln
  • Es gibt immer einmal wieder Tiere mit weißen Stacheln und roten Augen – Albinos
  • Igel können im Winterschlaf bis zu einem halben Jahr ohne Futter auskommen
  • Im Winterschlaf schlägt das Herz eines Tieres nur noch etwa acht Schläge pro Minute
  • Igel werden ca. sieben Jahre alt. Die durchschnittliche Lebenserwartung liegt nur bei zwei bis vier Jahren
  • Die Geräusche der Tiere klingen wie fauchen, puffen oder tuckern
  • In Deutschland bekommen die Stacheltiere ein Mal im Jahr durchschnittlich vier Junge
  • Nach dem Bundesnaturschutzgesetz handelt es sich um eine geschützte Tierart

 

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