Die Stadt, ein Paradies für Wildtiere

Wo sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen

Entdecken Wildtiere oder verwilderte Haustiere in unseren Städten „ihr Paradies auf Erden“ und vermehren sich stärker, als dem Mensch lieb ist, werden sie schnell als Plage angesehen, bejagt und aus ihrem Lebensraum verdrängt. Dieses Problem kennt man in Baden-Württemberg von Wildkaninchen ebenso, wie von verwilderten Hauskatzen, Waschbären und besonders von Stadttauben.

Wildtiere in der Stadt: Fuchs am  Gartenzaun

Die Reaktionen der Menschen auf Wildtiere wie z. B. Füchse, Rehe, Wildschweine oder Eichhörnchen in unmittelbarer Nähe von Siedlungen – oder direkt in den Großstädten – reichen von ungläubigem Erstaunen über großes Interesse bis hin zur völligen Ablehnung. Wenn sich wiederum der Mensch in den Lebensräumen mancher Tiere ansiedelt, treten schnell Probleme auf. Er verändert die bisherigen Lebensbedingungen durch die Verdrängung natürlicher Feinde so zum Positiven, dass die darauf resultierende hohe Anzahl der Tiere als Plage gesehen wird. Die Folge: Die Tiere werden „bekämpft“.

Was hoppelt denn da durch die Stadt?

Nach Informationen des Landwirtschaftlichen Zentrums Baden-Württemberg konzentriert sich die Verbreitung der Wildkaninchen im Wesentlichen auf wärmere Gebiete der Regierungsbezirke Karlsruhe, Freiburg und Stuttgart. Das Hauptvorkommen erstreckt sich entlang des Rheintals. Wildkaninchen-Kolonien bevölkern die Kreisverkehrsinseln, Grün- und Parkanlagen von Mannheim, Heidelberg oder Stuttgart. Hier finden sie ideale Lebensbedingungen und genügend Futter für Wildtiere.

Wildtiere - Kaninchen in der Stadt

Wildtiere aus USA – Invasion der Kleinbären

Vor Jahrzehnten wurde der aus Amerika stammende, intelligente Waschbär in Kassel und Berlin ausgesetzt und breitete sich von hier in alle Richtungen aus. Der erste Waschbär in Baden-Württemberg wurde 1960 in Ludwigsburg gesichtet, wenige Jahre später in Sinsheim. Heute sind die anpassungsfähigen Allesfresser in geringen Zahlen auch im Ländle heimisch. In erster Linie im Raum Künzelau, Schwäbisch Hall, Aalen, Göppingen, Waiblingen und Esslingen.

Waschbär in der Stadt

So goldig die kleinbärigen Wildtiere sein mögen, sie haben ihren ursprünglichen Lebensraum verlassen und könnten durch ihre Ausbreitung in Deutschland eine negative Auswirkung auf das Ökosystem der deutschen Wälder haben. Sie verdrängen heimische Raubtiere und geschützte Vogelarten. Waschbären schlafen nach der Nahrungssuche im Siedlungsgebiet vorrangig im Wald. In Großstädten kommen sie in Garagen, verlassenen Häusern und Dachböden unter.

Immer schön der Nase nach

Wildschweine sind abends und nachts unterwegs. Tagsüber ziehen sich die Wildtiere in das dichte Unterholz des Waldes zurück. Zur Nahrungssuche machen sie sich gemeinsam auf den Weg und durchforsten mit ihren feinen Nasen große Erdflächen. Gerne legen sie dabei Strecken von bis zu 30 Kilometer zurück. Um Leckereien zu finden geht es immer der Nase nach. So kann es passieren, dass die Tiere in die Gärten der an den Wald grenzenden Häuser eindringen.

Wildtiere - Wildschweine auf einem Acker

Im Raum Schwarzwald näherten sich Wildschweinrotten zunehmend den Ortschaften an und verursachten während der Nahrungssuche große Schäden auf Friedhöfen, in Gärten und in landwirtschaftlichen Betrieben. Im Landkreis Heilbronn verirrte sich ein Wildschwein in eine Wohnung, geriet in Panik und verwüstete das Mobiliar.

Vom Land- zum Stadtvogel

Ringeltauben sind die am häufigsten vorkommende Taubenart in Baden-Württemberg. Sie sind gesellig und leben meist in Schwärmen von 10 bis 100 Tieren. Dabei halten sie sich gern in Wäldern und auf Wiesen, in Gärten und Parks auf. Eine große Anzahl an Ringeltauben hat seit den 1970er Jahren ihren Lebensraum in die Großstädte Baden-Württembergs verlegt, wo sie auf Plätzen und Straßen auch im Winter ein hohes Nahrungsangebot finden. Aus wilden Ringeltauben wurden Stadttauben. Die anscheinend unkontrollierbare Vermehrung und ihre Bekämpfung ist in fast jeder Stadt ein Thema.

Tauben suchen sich geschützte Brut- und Schlafplätze, wie Dachvorsprünge, Fenstersimse oder höhlenähnliche Lücken in Gebäuden. Gerade ältere Bauwerke bieten hier viele Möglichkeiten und bleiben natürlich auch von Kotspuren nicht verschont. Aus ästhetischen und hygienischen Gründen wird das Problem des anfallenden Taubenkots in vielen Städten als kritisch angesehen. Taubenkot soll mit seiner ätzenden Wirkung zur Zerstörung von alten Gebäuden und historischen Objekten beitragen. So kam es vor allem in den 1970er Jahren und bis zum Jahr 2000 zur Bekämpfung der Tiere durch Vergiftung. Noch im Jahr 1990 schoss der damalige Hausmeister des Landesgewerbeamtes in seiner Freizeit die Stuttgarter „Ratten der Lüfte“ mit dem Luftgewehr vom Dach.

Für das Taubenproblem in den Städten gibt es andere Lösungen, welche die Stadtverwaltungen von Aalen, Balingen, Esslingen, Karlsruhe, Mannheim, Metzingen, Pforzheim, Reutlingen, Rottenburg, Rottweil, Schorndorf, Schwäbisch Gmünd, Tübingen heute erfolgreich anwenden: Taubenschläge. In Zusammenarbeit mit dem Tierschutzverein, dem Ordnungsamt und der Caritas hat auch die Stadt Stuttgart ein Taubenprojekt auf die Beine gestellt: Die Tauben werden mit artgerechtem Futter versorgt und die Eier in den Nestern gegen Attrappen ausgetauscht. Durch die angebotenen Taubenschläge müssen die Vögel sich keine Nistplätze auf historischen Gebäuden mehr suchen. Es ist möglich, den Gesundheitszustand der Tiere zu überprüfen, kranke Tiere gezielt zu behandeln und den Taubenkot einzusammeln. Ein unterstützungswürdiges Projekt.

Tauben auf einem Platz in einer Stadt

In Stuttgart gilt Fütterungsverbot für Wildtiere

Tauben, Enten und Schwäne dürfen weiterhin nicht gefüttert werden. Das Amt für öffentliche Ordnung weist darauf hin: Durch eine regelmäßige Fütterung auf Straßen und Plätzen entwickeln die Vögel nicht nur eine Standorttreue, sondern auch die Brutfreudigkeit der Tiere würde stark gefördert. Die Stadt Stuttgart empfiehlt Hausbesitzern den Nestbau an Gebäuden durch geeignete Vorkehrungen zu verhindern. Das Anbringen von Spikes, Spanndrähten, Klebepasten oder Netzen ist weit verbreitet, aber nach dem Tierschutzgesetz nur erlaubt, wenn beim Verscheuchen von Wirbeltieren für diese von den verwendeten Vorrichtungen keine Gefahr ausgeht oder damit vermeidbare Schmerzen oder Leiden für das Tier verbunden sind.

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